Italiener*innen, die Geschichte mach(t)en

Der Verleger

Den Auftakt macht ein Verleger und Buchhändler. Er kam aus einer reichen Familie, war aber dessen ungeachtet ein linker Aktivist und Kommunist. Verleger wurde er, weil er die Welt mit Büchern verändern wollte. Er besuchte Che Guevara in Kuba und publizierte später dessen Bolivianisches Tagebuch. Er war es auch, der das berühmte Foto des Revolutionärs mitbrachte, das heute T-Shirts schmückt.

In den späten 60ern hatte er sich zu einem Radikalen entwickelt, der auch Gewalt als legitimes Mittel ansah. Schrecklich war sein Ende. Er kam unter nicht endgültig geklärten Umständen bei einer seiner Aktionen 1972 zu Tode.

Angenehmer ist es, an eine seiner Frauen zu denken, eine bekannte Fotografin.

Erraten Sie den Namen des Verlegers, des gleichnamigen Verlages und der Buchhandlungen? Ein Tipp: es gibt sie in jeder Stadt und vielen größeren Orten. Vielleicht waren Sie ja schon in einer von ihnen, z.B. in der hypermodernen Porta Nouva an der Piazza Gae Aulenti  in Mailand, oder in Rom an der Torre Argentina. Nicht weit von der Piazza Gae Aulenti in Mailand steht auch das neue, sehenswerte Gebäude der Stiftung des Verlages von Herzog & de Meuron (Architekten u.a. der Elbphilharmonie).

Und wenn Sie schon in der Gegend sind, sehen Sie sich das ganze neue Viertel mit dem Bosco Vertikale (zwei begrünte Hochhaustürme) und dem Torre Unicredit an.

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Beziehungsreich ist der Name der Piazza, an der sich die Buchhandlung in Mailand befindet. Gae Aulenti war eine sehr bekannte Architektin. Sie entwarf die Innenausstattung des Musée d’Orsay und erlangte damit späte Berühmheit. Nach dem Architekturstudium arbeitete sie zunächst als Industriedesignerin. Ein erster großer Erfolg war der Entwurf des italienischen Pavillons auf der Architektur-Triennale 1964.

Ende der 70er begann sie Bühnenbilder und Kostüme zu entwerfen. Gleichzeitig arbeitete Sie als Dozentin. Sie gestaltete unterschiedlichste Gebäude: Wohn- und Bürogebäude, Schauräume oder Ausstellungsräume.

Der Verleger und die Architektin stehen für das intellektuelle, moderne, zukunftsorientierte und europäische Italien.

Der Politiker

Er hatte ein zweifaches Legitimationsproblem. Zum einen war er durch einen Bürgerkrieg an die Macht gekommen, den er selbst angezettelt hatte. Und zum zweiten hat er sich als Alleinherrscher eingesetzt. Eine Sache, für die sein Großonkel noch ermordet wurde.

Also musste er für sich Werbung machen. Zu damaligen Zeiten, ohne Internet, gab es dafür drei Wege:  beeindruckende Architektur, Münzen und die Gewinnung von Publizisten. Die Botschaft: ich bringe den Frieden,  die Götter sind mir gewogen und verleihen mir nahezu Gottgleichheit und ich stehe in der langen Tradition des Landes.

Es lohnt sich, in einem Rundgang in Rom zumindest einige seiner Bauten zu besichtigen.

Italienisch lernen Rom

Fangen wir mit dem Friedensaltar an. Ein Kubus, den man über eine Freitreppe betreten kann, an allen Seiten mit Reliefs geschmückt. Die Treppe führt zum Altar. Die Reliefs nehmen Bezug auf die Geschichte, vermitteln eine Atmosphäre des Friedens und stellen Opferprozessionen dar.

Unser Politiker ist selbst auch dargestellt, ganz zurückgenommen, im Kreis seiner Familie als Teil einer Prozession. In griechischem Stil, vermutlich auch von griechischen Bildhauern geschaffen, stellen sie also genau die gewünschten Bezüge her: alte Kultur, Tradition, Frieden, Familiensinn.

Tatsächlich waren auch eine moralische Erneuerung, die Förderung der Familie und sogar die Erhöhung der Geburtenrate Teil seiner Politik. Zur Bekräftigung seiner Mission liess er auch seine Tochter wegen Ehebruchs verurteilen.

Gegenüber steht sein Mausolem. Das Mausoleum wurde 2021 wiedereröffnet. Die Besichtigung ist ein Muss. Die Vorbestellung von Tickets empfiehlt sich.
Ursprünglich ganz in der Nähe des damaligen Standortes des Altars, heute etwa 10 Min. Fußweg entfernt, auf der Piazza di Monte Citorio, steht ein riesiger ägyptischer Obelisk, den unser Politiker, möglicherweise als Sonnenuhr, aufstellen ließ.

Natürlich hat er zu seiner Glorifizierung („Vater des Vaterlandes“) auch ein Forum errichten lassen, mit einer Statue von sich selbst. Die Bauten wurden mit Marmor verkleidet und verliehen dem Stadtzentrum Glanz. Das Forum liegt gegenüber dem Forum Romanum auf der anderen Seite der Via dei Fori Imperiali. Wer gerade jetzt eine Stärkung braucht, könnte ins kleine Restaurant La nuova Piazzetta (Via del Buon Consiglio, 23/a) gehen, mit winziger Aussenterasse und leckeren italienischen Standards. Das Restaurant ist etwas versteckt. Qualität und Preise sind mehr als in Ordnung und der Service sehr freundlich und aufmerksam (Update: die Qualität des Restaurants wurde entdeckt und es gibt beste Bewertungen auf den einschlägigen Plattformen. Glücklicherweise werden Qualität der Speisen und des Services gehalten. Es kann aber in der Hochsaison sein, dass man 15 – 20 Minuten warten muss, bis man einen Platz bekommt).

Nächste Station ist das Marcellustheater, 500 m von den Kapitolinischen Museen (in denen man eine Büste unseres Politikers bewundern kann). Das Gebäude dient heute noch als Wohnhaus.

Wer noch rätselt, wer es sein könnte: die Publizisten, oder besser Geschichtsschreiber, die er für sich gewann und offenbar in seinem Sinne beeinflussen konnte, waren Horaz, Livius und Vergil.

Es gibt fast keinen besseren Repräsentanten der antiken Geschichte Italiens. Er vertrieb die Provinzialität Roms und war prägend für seine Nachfolger.
In fast jedem Ort finden sich Bezüge zur antiken Geschichte. Sie bildet einen erheblichen Teil der Identität Italiens.

Die rote Jungfrau

Noch eine widersprüchliche Persönlichkeit? In Venedig geboren, blitzgescheit, selbstbewusst, ein Freigeist. Sie interessiert sich früh für Kunst. Sie kämpft für das Frauenwahlrecht und fördert die Futuristen. Sie gründet einen Salon in Mailand. Und das Who-is-who der italienischen Kunst- und Musikszene ist zu Gast. Sie neigt den Sozialisten zu. Deshalb wird sie „rote Jungfrau“ genannt. 1922 gründet sie die Künstlergruppe „Gruppo del Novecento“. Schon längst hatte sie da Mussolini kennen und lieben gelernt. Sie gründet mit ihm eine Zeitschrift und schreibt seine Biografie. Sie wirbt für ihn, auch im Ausland, und wird sogar von Roosevelt zum Tee eingeladen. Sie versucht, Mussolini bei den Intellektuellen salonfähig zu machen. Sie ist eine sehr aktive Unterstützerin des italienischen Faschismus.

Nach 12 Jahren war Mussolini ihrer überdrüssig. 1938 musste sie emigrieren, da sie Jüdin war. 1947 kehrte sie zurück und lebte in Cavallasca bei Como. Sie starb 1961. Immerhin erging es ihr besser als einer späteren Geliebten Mussolinis, Clara Petacci. Beide wurden in Giuliano di Mezzegra  am Comer See erschossen und anschließend an einer Tankstelle in Mailand öffentlich aufgehängt.

Dieses weniger ruhmreiche Kapitel soll als Aufhänger für ein angenehmeres Thema dienen: den italienischen Freiheitskampf und die Einigungsbestrebungen. Kein Ort, in dem nicht eine Straße nach Garibaldi, Cavour, Mazzini, Vittorio Emanuele II, oder nach dem 4. November benannt ist, oder es eine Piazza Repubblica gibt.

Garibaldi brachte, unterstützt von Mazzini, mit seinem „Zug der 1.000“ 1860 das Königreich beider Sizilien unter seine Kontrolle. Cavour, der Ministerpräsident von Sardinien-Piemont, sandte ihm Truppen zu Hilfe (und um republikanische Bestrebungen zu dämpfen). Es wurden Teile des damaligen Kirchenstaates besetzt (Umbrien und Marken). Und schließlich wurde Viktor Emanuel II. 1861 zum König von Italien ausgerufen. Der 4. November schließlich feiert den Sieg Italiens im 1. Weltkrieg.

Der Freiheitskampf und die späte Einigung Italiens ist ein weiterer Wesenszug des Landes. Und Teil des Stolzes der Italiener. Manchmal allerdings scheint es, dass noch immer Trennlinien bestehen, z.B. zwischen Nord- und Süditalien.

Möglicherweise ist eine Spätfolge des Faschismus ein Erstarken der der Linksparteien in der Nachkriegszeit. Bis zum Aufstieg Berlusconis jedenfalls waren faschistische Ideen geächtet.

Die Astronautin

Berühmte Italienerinnen

Studium in München, Toulouse, Moskau und Neapel (Master in Luft- und Raumfahrttechnik), Kampfpilotin und Astronautin. Vom 23.11.2014 bis zum 11.06. 2015 war sie in der ISS und hält damit den Langzeit-Rekord für Frauen im Weltall. Sie ist Mutter einer Tochter. Einfach unglaublich.

2019 war sie für einen Vortrag in Köln im italienischen Kulturinstitut. Sie wirkt zunächst intellektuell und etwas distanziert. Als beim Schlussfoto immer mehr Kinder auf die Bühne kommen und ihre Nähe suchen, als könnte eine Berührung etwas von Ihrer Besonderheit übertragen, ist sie zunächst irritiert, freut sich dann aber doch. Langsam wird bewusst, was sie vollbracht hat. Ein magischer Moment.

Wirklich eine würdige Repräsentantin der modernen, starken Italienerin. Es zeigt, dass die vermeintlich typische Mamma überkommen ist. Die Mamma, so der Mythos, hält die Familie zusammen, umsorgt und verteidigt die Kinder, ist das heimliche Familienoberhaupt und, als Hüterin der Familienrezepte, die beste Köchin.
Ist das heute noch aktuell? Vermeintlich ja. 2017 wohnten fast die Hälfte der unter 34-Jährigen noch zu Hause. Das ist aber eher eine Begleiterscheinung der Arbeitslosigkeit und der z.T. niedrigen Gehälter. Deshalb sind in Italien auch weniger Frauen in einem Arbeitsverhältnis, als in Deutschland.
Tatsächlich ist Italien das europäische Land mit einer der geringsten Geburtenquoten. Frauen liegen vorne bei den Universitätsabschlüssen. Es hat sich also etwas verändert. Die Fakten zeigen, la mamma ist ein vergangener Mythos, nicht mehr.

Die Schriftstellerin

1936 in Florenz geboren. Tochter einer Prinzessin aus einer sizilianischen Adelsfamilie und eines Japanologen und Anthropologen. Sie hat als Kind mehrere Jahre in Japan gelebt, davon, wegen der antifaschistischen Haltung ihrer Eltern, zwei Jahre in einem Internierungslager. Japan war zu der Zeit im „Dreimächtepakt“ mit Hitler und Mussolini verbunden. Die Entbehrungen in dem Lager werden sie lange verfolgen. 1946 zog die Familie wieder nach Sizilien. Zunächst wohnte sie nach der Trennung der Eltern bei Ihrer Mutter in Palermo.

Mit 18 zog sie zu Ihrem Vater nach Rom und veröffentlichte erste Kurzgeschichten. Sie ist Mitgründerin der Literaturzeitschrift Tempo di letteratura. Sie war Lebensgefährtin von Alberto Moravia. Sie war mit Pasolini befreundet und schrieb an einem Drehbuch mit. In den 70ern schloss sie sich der Frauenbewegung an, veröffentlichte den Roman „Donna in guerra“ und ist seither eine Kämpferin für Frauenrechte.

Um Ihre Botschaft zu verbreiten, schrieb sie Theaterstücke, und organisierte Aufführungen auf der Straße, in Schulen oder auf Märkten. Sie wird manchmal als „zornige Frau der italienischen Literatur“ bezeichnet. Sie ist Herausgeberin der Literaturzeitschrift „Nuovi Argomenti“. Ihr Werk umfasst über 20 Romane, Erzählungen (auch für Kinder), Lyrik, Essays, Theaterstücke und Drehbücher. Und sie führte Regie im Film L’amore coniugale. Sie ist die Intellektuelle Italiens.

Die Kommunistin

1924 in Istrien geboren und 2020 gestorben. Sie war eine Schriftstellerin und Intellektuelle, maßgebliches Mitglied der kommunistischen Partei Italiens (Partito Comunista Italiano – PCI, deutsch: KPI) und Mitbegründerin der Tageszeitung Il Manifesto.

Sie studierte in Mailand Kunstgeschichte und Philosophie. Sie nahm am antifaschistischen Widerstand und an Partisanenaktionen Teil.

Nach dem Krieg war sie für die Kulturpolitik verantwortlich. Der damalige Parteischef war Palmiro Togliatti. Er war am Zustandekommen einer Vereinbarung zwischen der Sowjetunion und Italien zur Produktion des Fiat 124 in der UdSSR beteiligt. Zum Dank wurde eine Ortschaft in Russland nach ihm benannt. Der Nachfolger dieser Gründung ist die AwtoWAS (Wolga Automobilwerk), der größte Produzent von Pkw in Russland, an dem Renault-Nissan zu über 25% beteiligt ist – aber das ist nur eine Anekdote.

Sie war Mitglied des Zentralkomitees der PCI und 1963 auch Abgeordnete im Parlament und zunächst – unangefochten vom Berliner Aufstand oder der Niederschlagung des ungarischen Widerstands durch die UdSSR – Verteidigerin der sowjetischen Politik.

Ihr Haltung änderte sich einige Jahre später. Die Zeitschrift Il manifesto, an der sie mitwirkte, kritisierte die unentschiedene Haltung der KPI Moskau gegenüber und sie wurde aus der Partei ausgeschlossen. Nach einer deutlichen Wahlniederlage eines Versuchs, eine neue linke Partei zum Erfolg zu führen, zog sie sich aus der Politik und der Zeitung zurück und war nur noch schriftstellerisch tätig.

Vielleicht ist Ihnen in Italien schon einmal eine Via oder eine Piazza Gramsci begegnet, z.B. in Mailand, Carrara oder Siena. Gramsci war Mitbegründer und mehrere Jahre Vorsitzender der kommunistischen Partei Italiens.

Die Partei war nach dem Krieg über lange Jahre eine der stärksten Parteien in Italien, mit regelmäßigem Wahlergebnis um 25%, und die größte kommunistische Partei außerhalb der UdSSR. Die PCI war auch prägend für die italienische Kultur der 60er und 70er Jahre. Pavese, Pasolini, Natalia Ginzburg, Luigi Nono, Andrea Camilleri, Calvino, Visconti, alle waren Mitglieder der PCI. Sie stellte den Bürgermeister in vielen Orten und Städten, z.B. in Rom, Neapel, Bologna oder Venedig. Die Toskana, die Marken und die Emila Romagna waren traditionell „rot“.  Die Kommunisten initiierten die „Feste dell’Unità“, bei denen Künstler und Literaten auftraten, Vorträge hielten und diskutierten. Diese Feste gibt es heute noch, sie haben aber ihren ursprünglichen Charakter verloren und sind reine Volksfeste.

In den 80ern und 90ern veränderte sich die Partei. Sie benannte sich 1991 in „Partito Socialista Italiano“ – PSI , deutsch:„Demokratische Linkspartei“ und später in „Democratici di Sinistra“ –DS, deutsch:  „Linksdemokraten“ um. Schließlich ging sie in der „Partito democratico“ auf. Von 1998–2000 war Massimo D’Alema – als erster Exkommunist – Ministerpräsident . Giorgio Napolitano, ebenfalls ein Ex-Kommunist,  wurde 2006 Staatspräsident.

2016 wurde die PCI wiedergegründet.

Die gesuchte Dame steht also für den prägenden Einfluss des Kommunismus auf Politik und Kultur Italiens. Sie war intellektuell, kultiviert und militant.

Kurzzeit-Kölner von der Schäl-Sick

In Mailand geboren, wurde er, anders als viele Mitglieder seiner Familie, nicht Künstler, sondern Ingenieur. Ein französischer Baron und Industrieller holte den noch nicht Volljährigen als Produktionsleiter ins Elsass, weil er von dessen Maschinen begeistert war. Offenbar wegen seiner nicht ganz einfachen Persönlichkeit trennten sich die Wege der beiden wieder und auch eine weitere Zusammenarbeit mit einem anderen Fabrikanten dauerte nur kurz. Und so kam er nach Köln Deutz. Hier wurden drei seiner Kinder geboren.

Er blieb aber auch dort nur knappe drei Jahre. Er zog wieder ins Elsass und gründete seine eigene Fabrik. Seine Produkte wurden wegweisend für die gesamte Branche im 20. Jahrhundert. Sein Perfektionismus machte vor nichts Halt. Als die Nudelmaschine seines Kochs defekt war, konstruierte er eine neue. Als er keine Eier auf dem Markt bekam, schaffte er sich Hühner an und baute einen fahrbaren Stall, er baute ein Gewächshaus für sein Basilikum oder designte Besteck. Außerdem züchtete er Pferde.

Insgesamt meldete er ca. 1.000 Patente an. Er war nicht nur Konstrukteur und Fabrikant, sondern auch Rennfahrer. Heute zieren zwei Bronze-Figuren zu seinen Ehren einen Park in Molsheim im Elsass. Er steht für italienische Ingenieurskunst, für das italienische Design und stellvertretend für eine ganze Branche aus Italien, so wie es heute John Elkann ist.

Die Modeschöpferin

Was verbindet man mit Italien? Mode! Es geht also um eine der größten Modeschöpferinnen des letzten Jahrhunderts. Sie hatte sich mit einem Knall auf der Modebühne vorgestellt, in einem Strickpulli mit weißer Schleife, den sie zu einem Abendessen beim Chefredakteur der Vogue trug. Lord & Taylor, das New Yorker Luxuskaufhaus wollte diese Pullis sofort verkaufen und die französische, englische und amerikanische Vogue zeigten das Kleidungsstück.

1927 startete sie ihr eignes Label und etablierte sich innerhalb eines Jahres in der Pariser Modewelt. Neben Kleidung designte sie als erste auch Accessoires. Sie war neben Coco Chanel und Dior der dritte Stern am Pariser Modehimmel. Da war sie schon fast 40 Jahre alt.

Ihr Leben war bis dahin nicht sehr geradlinig verlaufen. In Rom in eine reiche Familie geboren, studierte Philosophin, floh Sie mit 23 nach England und heiratete dort einen Grafen, mit dem sie nach Amerika ging. Sie brauchte ihr Geld dort auf, bekam eine Tochter und wurde von ihrem Mann verlassen. Sie musste als Verkäuferin, Übersetzerin und Gesellschaftsdame arbeiten, um sich durchzubringen. Immerhin lernte sie Man Ray und Marcel Duchamp kennen. Aus Geldnot übersiedelte sie mit Gabrielle Picabia schließlich nach Paris. Sie wurde von ihrer Freundin mit Jean Cocteau und Salvador Dali bekannt gemacht.

Ihre Mode war schrill. Sie verwendete ausgefallene Motive, wie Skelette, nutzte sichtbar Reißversschlüsse (damals ein Unding in der Haute Couture) und verwendete neue Materialien, wie eine Pferdedecke, gewachsten Satin oder Kunststofffolie. Und sie kreierte eine eigene Farbe: shocking Pink.

Ihr Unternehmen wuchs und zog von der Rue de la Paix zur Place Vendome. Schauspiel-Größen, wie die Garbo, die Dietrich oder Peggy Guggenheim waren ihre Kundinnen.

Bekannt war der Schuh-Hut und ein Hummer-Kleid, in dem Wallis Simpson in der „Vogue“ erschien. Oder ein Mantel, auf dem zwei von Cocteau gemalte Gesichter zu sehen waren. Sie war auf dem Gipfel ihrer Karriere.

Nach dem Krieg hatte sich der Geschmack verändert. Sie passte sich nicht an. 1954 war ihr Geschäft am Ende. Sie starb 1973.

Diego Della Valle kaufte 2006 die Markenrechte. Der Designer Marco Zanini wurde beauftragt, das Label neu zu beleben. Christian Lacroix kreierte 2013 eine Kollektion. Die Marke gibt es heute noch.


Die öffentliche Frau

Die Süddeutsche widmete ihr am 3. Juli 2021 fast die ganze erste Seite des Wirtschaftsteils. Sie ist Mitglied des Aufsichtsrats des Schuh- und Accessoires-Herstellers Tod’s. Sie engagierte sich in der Corona-Krise in Norditalien für die Errichtung einer Intensivklinik, bewarb die Uffizien und hat seit Kurzem eine Kooperation mit Nespresso.

Sie ist eine der einflussreichsten Influencerinnen Italiens. Mit wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen. Der Kurs von Tod’s stieg rasant. Sie und ihr Mann, der Rapper Fedez, rufen politische Themen auf (z.B. befürworteten sie das Gesetz gegen Homophobie und machten das Thema damit erst richtig bekannt) – und werden von Politikern genutzt.

Ihr Instagram-Account zeigt ihr Privatleben in Details, die man vielleicht gar nicht wissen will. Aber sie nutzt ihren immensen Einfluss für gesellschaftliches Engagement. U.a. warb sie auf Bitten von Giuseppe Conte für das Tragen von Corona-Masken.

Früh postete sie Fotos auf flickr. Richtig los ging es 2009 mit einem Modeblog (The blonde Salad). Sie war damals eine Pionierin. Instagram war noch in weiter Ferne. Sie entwarf und vermarktete  2011 erfolgreich eine Schuhkollektion. Benetton bot ihr eine Zusammenarbeit an. Ebenso Chanel und Cartier. Die Eröffnung eines ersten Ladens mit ihrer Kollektion löste Hysterie aus.

Sie wurde mehrfach ausgezeichnet, hat heute 24 Mio. Follower auf Instagram (zusammen mit ihrem Mann 35 Mio.).

Es gibt allerdings auch kritische Stimmen. Domitilla Ferrari, Dozentin an der Uni in Padua relativiert in La Stampa im September 2021 die Wirkung der Zusammenarbeit mit Unternehmen auf den Börsenkurs. Manchmal seien die Kurssteigerungen nur ein Strohfeuer und ohne ordentliche Unternehmensführung und die nachhaltige Generierung von Kundennutzen kann auch diese Zusammenarbeit wenig ausrichten.

Und es gibt inzwischen tiefe Kratzer im Hochglanzlack. Das Paar ist getrennt und es gibt Vorwürfe gegen die Dame. Sie hat über die Weihnachtszeit einen Kuchen (Pandoro Pink Christmas) vermarktet mit dem Argument, dass ein größerer Teil des Verkaufspreises für wohltätige Zwecke (an ein Krankenhaus für krebskranke Kinder in Turin) gespendet würde. Tatsächlich hat aber wohl, nur der Hersteller einen festen Betrag an das Krankenhaus überwiesen, der deutlich unter dem Betrag liegt, der angekündigt wurde. Der Staatsanwalt ermittelt, der Shitstorm läuft und die Follower-Zahlen gehen zurück. Schade.


Die Unternehmerin

Ihr Leben war dramatisch, als Unternehmerin und privat. 1877 in Perugia geboren, begann Sie schon mit 21 Jahren, gemeinsam mit ihrem Ehemann, Schokoladen herzustellen und zu verkaufen. Partner war unter anderen der Nudelkönig Francesco Buitoni. Als das Unternehmen in Schwierigkeiten geriet, holte dieser seinen 18-jährigen Sohn Giovanni Battista zu Hilfe. Der kam aus Deutschland angereist, wo er Jura studiert und sich die Produktionsmethoden in der Industrie angesehen hatte. Und er brachte das Unternehmen wieder auf Vordermann. Nach einem kurzen Einsatz von Giovanni im ersten Weltkrieg, in dem die Söhne unserer Unternehmerin die Firma leiteten, war es soweit: der Bacio wurde erfunden.

Giovanni hatte längst das Herz unserer Unternehmerin gewonnen. Man sagt, dass die Zettel mit Weisheiten und Sprüchen deshalb in den Baci enthalten sind, weil sich die beiden kleine Liebesbriefe, versteckt in Schokoladen, gaben. 10 Jahre Altersunterschied, die weiterhin bestehende Ehe, aus der zwei Kinder hervorgegangen waren – alles kein Hindernis für diese amour fou.

Ursprünglich sollte das Konfekt „cazotto“ heißen – (Faust-)Schlag. Aber natürlich war Bacio für die Gesamtsituation deutlich passender. Die Baci schlugen ein und das Unternehmen wuchs.

Sie unterstützte Ihre Mitarbeiterinnen, die in der Kriegszeit doppelte Lasten tragen mussten, mit einem Firmen-Kindergarten und bot ihnen Wohnmöglichkeiten.

1923 trennte sich das Ehepaar, ihr Mann verließ auch die Firma. Unsere Unternehmerin wandte sich einem neuen Feld zu, der Zucht von Angora-Kaninchen, und der Produktion von Garnen. Dafür sammelte sie die Haare der Kaninchen, ohne sie zu töten. Die neue Firma wurde offiziell 1928 in der Nähe von Perugia gegründet und produzierte Schals und Strickwaren. Die Besonderheit: von der Gewinnung der Haare bis zum fertigen Produkt lag alles in einer Hand. Angorawolle war damals noch wenig bekannt. Durch laufende Verbesserung der Strickwaren, wurden diese marktfähig gemacht.

Unsere Unternehmerin kam nicht mehr dazu den Erfolg ihrer Arbeit zu genießen. Sie starb 57-jährig an Krebs.

Ihr Sohn Mario führte das Geschäft weiter. Er entwickelte einen speziellen Kamm, um die Haare der Kaninchen besser zu gewinnen und machte die Marke berühmt. Auch er war mitarbeiter*innen-orientiert. Er gründete Angora-City, wo die Arbeiter*innen wohnen konnten, wo es ein Schwimmbad und einen Kindergarten gab. Zusätzlich gründete er einen Freizeitpark „Città della Domenica“, den man noch heute besuchen kann.

Heute gibt es unter dem Namen ein Modeimperium. Und sogar Kate Middelton wurde mit einem Kleid der Marke fotografiert.

In Perugia, in einem Hinterhof, kann man noch sehen, wo zu Beginn die Produktion der Baci war (in der Via Augusta im Untergeschoss auf der Rückseite eines Palazzos; heute ist hier Hinterhofatmosphäre und ein Parkhaus).

Wäre das nicht ein guter Anlass, einmal nach Perugia zu fahren? Lesen Sie, um auf den Geschmack zu kommen, hier meine Beschreibung der Stadt.


Die vernetzte Philosophin

Marianna Florenzi Waddingtion

Ihr Portrait hängt in der Schönheitengalerie von Ludwig I. in Nymphenburg. Sie wurde in Ravenna geboren und lebte lange in Perugia. Sie war kaum mit der Schule fertig (ein renommiertes Institut in Faenza), als sie 16jährig, verheiratet wurde, mit dem 42 Jahre alten Markgraf Ettore Florenzi, Marchese di Rasina aus Perugia. 1820 bekam sie eine Tochter und 1821 lernte sie Kronprinz Ludwig kennen. Da war sie 19. Sie war gebildet, lernte Deutsch und übersetzte Leibnitz. Nach dem Tod ihres Mannes 1832 heiratete sie 1836 den Engländer Evelyn Waddington, der später Bürgermeister von Perugia wurde

Sie studierte – als erste Frau – an der Universität von Perugia. Sie verbreitete Schriften Kants, Spinozas und Schellings in Italien. Von Schelling übersetzte sie (Giordano) „Bruno“. Sie hatte ihn in München getroffen, war kurzzeitig seine Schülerin und stand lange mit ihm in Kontakt. Und sie unterstützte die Einigungsbewegung in Italien. Außerdem veröffentlichte sie selbst eine Reihe von philosophischen Schriften.

Sie führte einen Salon in Perugia und war in ganz Europa vernetzt.

Sie kannte Maria Bonaparte Valentini (genannt Napoleon von Perugia), die Tochter von Lucien Napoleon. Der gemeinsame Schriftwechsel ist in Teilen noch erhalten.

Unsere Dame kannte auch die Frau des preußischen Gesandten Karl von Bunsen, der Baronin Frances von Bunsen. Auch Frau Bunsen neigte den liberalen Italienern zu. Deren Cousin war Waddington den unsere Dame später heiratete.

Umbrien gehörte damals zum Kirchenstaat. Die Obrigkeit war von den Veröffentlichungen unserer Dame wenig begeistert und setzte sie auf den Index. Die Verlobung mit dem evangelischen Waddington war auch nicht gerade nützlich. So kam es  1836 zu einem nicht ganz freiwilligen Paris-Aufenthalt. (Nach Perugia zurück konnte Sie erst, als ihr Mann konvertierte). In Paris lernte sie neben vielen anderen Louise Colet kennen, die selbst in Paris einen Salon unterhielt, in dem z.B. Victor Hugo verkehrte und der Philosoph (und für kurze Zeit Bildungsminister) Victor Cousin. Colet war acht Jahre mit Flaubert liiert.

Colet war sehr an Italien interessiert – und an den dortigen Einigungsbestrebungen. Von 1859 bis 1861 bereiste sie Italien. In Turin z.B. traf sie Cavour, in Mailand das örtliche literarische Who-is-Who – und in Florenz unsere Dame.

Aber natürlich interessiert man sich für die Sache mit Ludwig. Sie lernte ihn bei einem Karneval in Rom kennen. Da war er noch Kronprinz. Sie müssen wohl ganz schnell eine tiefe Zuneigung entwickelt haben, die bis zum Tod des Königs über Jahrzehnte anhielt. Er schrieb ihr 3.000 Briefe und besuchte sie fast jedes Jahr in Italien. Sie schrieb 2.000  Briefe.

Gemunkelt wird, ob ihr Sohn, Ludovico vielleicht auch Ludwigs Sohn war. Jedenfalls wurde er, zusammen mit seiner Stiefschwester Carlotta (aus der ersten Ehe), teilweise in München erzogen.

Interessanter ist, dass sie durch die Verbindung mit Ludwig auch zur Mittlerin zwischen dem Kirchenstaat und Bayern wurde. Aus erster Hand erfuhr sie vom päpstlichen Innenminister Terenzio Mamiani was so in Rom passierte. Ihn hatte sie über ihre philosophischen Studien kennen gelernt.

Sie war also in die Strömungen des Risorgimento involviert. 1848 schrieb sie an Ludwig:

„Se non piaceranno gli atti del governo ecco il popolo contro di lui, se gli atti del Governo piaceranno ad una parte dei cittadini ad un altra no allora avranno luogo le guerre civili. (…) Mi attendo fra qualche mese di vedere il Papa soltanto capo degli affari come in una repubblica insieme ad altri. E spogliato del potere regale. Se ció fosse egli ne sarebbe stata la causa poiché incerto modo di puó dire che ha mosso guerra alla Sovranitá.“ GHA, Nachlass König Ludwig I., Mappe 47, Brief Nr.1192, Marianna Florenzi Waddington an König Ludwig I. von Bayern, 3. und 4.4.1848.  

„Wenn die Handlungen der Regierung einem Teil des Volkes nicht gefallen, dann wird es zu Bürgerkriegen kommen. (…) Ich erwarte, dass wir in einigen Monaten den Papst nur noch als Oberhaupt sehen werden, wie in einer Republik, zusammen mit anderen. Und der königlichen Macht beraubt. Wenn das der Fall wäre, dann wäre er die Ursache, denn man kann kaum sagen, dass er einen Krieg gegen die Souveränität geführt hat.“

Hintergrund dieser Auffassung sind die zwei Strömungen des Risorgimento, eine republikanische und eine moderate, die eine konstitutionelle Monarchie anstrebte. Der Papst hatte sich gegen den Krieg der Piemonteser, mit dem Ziel der Einigung Italiens, gestellt. Und damit den Moderaten geschadet. Das konnte unserer Dame nicht gefallen. Deshalb der Brief an Ludwig. Nachdem die Revolution von 1848 in Italien gescheitert war, schlug das Pendel zu Gunsten der Moderaten aus.

Das also war unsere gesuchte Dame: gebildete europäische Netzwerkerin, Philosophin, Vermittlerin der deutschen Philosophie nach Italien (und auch nach Frankreich), Unterstützerin des Risorgimento, inoffizielle Botschafterin zwischen Kirchenstaat und Bayern/Deutschland…

Man sollte sie kennen.


Superwoman der Barockmalerei

Wenn sich schon die eher betuliche Zeitschrift Chrismon  zur Bezeichnung „Superwoman des italienischen Barocks“ versteigt, „die den Männern im 17. Jahrhundert zeigte, wo der Pinsel hängt“ (sic!), dann muss die Dame etwas Besonderes sein. Ist sie auch. Zu einer Zeit, wo malende Frauen nicht ernst genommen wurden und ihnen höchstens nette Stillleben zugestanden wurden, schuf unsere Künstlerin Werke, die locker mit denen der Männer mithalten konnten. Tatsächlich hat man über Jahrhunderte Ihre Bilder anderen zugeschrieben, weil eine Frau einfach nicht so gut malen können durfte. Sie wurde daher erst später wiederentdeckt, war aber seitdem Inspiration für viele Künstlerinnen.

Orazio Gentilleschi: Hl. Hieronymus

Sie wurde 1593 in Rom geboren, Ihr Vater Orazio war Maler. Damals war es nicht üblich war, dass Frauen Kunstunterricht nahmen, also bildete ihr Vater sie aus. Da er Schüler von Caravaggio war, erinnern seine und ihre Bilder zunächst auch etwas an Caravaggio. (Hier das Bild Hl. Hieronymus von Orazio aus dem Plazzo Madama in Turin.)

Judith und Holofernes

Ihre Arbeiten sind emotional und zeigen starke Darstellungen von Frauen. Themen sind klassische Mythen und biblische Geschichten. Im Splatterbild „Judith und Holofernes“ geht es zur Sache. Blut spritzt ausgiebig und Judith und ihre Dienerin gehen konzentriert daran, Holofernes zu enthaupten. Man sieht förmlich die Kraftanstrengung, die nötig ist. Bei Caravaggio hielt Judith noch mit angewidertem Gesicht das Schwert an lang ausgestreckten Armen. Bei unserer Künstlerin ist es ein Nahkampf.

Wieder kehrende Themen sind starke, selbstbestimmte Frauen. Ihr technisches Können machte unsere Künstlerin zu der führenden weiblichen Malerin des Barock.

Mit 18 Jahren wurde sie von ihrem Lehrer vergewaltigt. In dem Prozess, den sie anstrengte, wurde sie gefoltert, um zu prüfen, ob sie die Wahrheit sagte. Während der Täter zwar verurteilt wurde, aber mild davonkam, war ihr Ruf ruiniert. Sich hier zu behaupten und eine Karriere als Malerin zu machen, ist eine fast übermenschliche Leistung. Ihr Peiniger war aus Rom verbannt worden, verließ die Stadt aber tatsächlich nicht. Für sie war ein weiterer Aufenthalt bald nicht mehr möglich. Erst 1621 kehrte Sie nach Rom zurück. Da war Sie schon eine anerkannte Künstlerin. Sie hat dort Altarbilder gemalt, unter anderen „Susanne und die Ältesten“ Sehr spät in Ihrer Karriere nahm Sie das Thema noch einmal auf. Und eben „Judith und Holofernes“.

1612 ging Sie zunächst nach Florenz und hatte dort ihren Durchbruch. Sie erhielt Aufträge von Cosimo II de Medici. 1630 zog sie nach Neapel weiter und dann nach London, wo Sie am Hof von König Charles I. malte und ihn und seine Familienmitglieder porträtierte.

Selbstbildnis - Allegorie der Malerei
Samson e Delila
Paola und Francesca - due amanti

Man sagt, sie hätte als erste ein Selbstporträt einer weiblichen Künstlerin gemalt.

Jeweils mehrere ihrer Bilder hängen u.a. in Florenz im Palazzo Pitti und in den Uffizien, in Neapel im Museo di Capodimonte und im Museo Nazionale di San Martino, in Rom im Palazzo Spada und in Potsdam im Neuen Palais.

Bekehrung der Magdalena
Verkündgiung
Judith mit ihrer Magd

In der Ausstellung „Susanna“ im Wallraf-Richartz-Museum (bis Ende Februar 2023) in Köln war ein Bild von ihr zu sehen („Susanna und die Ältesten“) .

Im Frühjahr 2024 gibt es eine große Ausstellung in Genua mit einer großen Zahl Ihrer Bilder.

Superwoman der italienischen Barockmalerei

Er wurde 1885 in einem Dorf nördlich von Ferrara geboren. Sein Vater war als Kupferschmied reich geworden. Schon während seines Studiums (Jura) wurde er Mitglied der PSI (Partito Socialista Italiano, deutsch: Italienische Sozialistische Partei), die damals der Arbeiterbewegung nahestand. Die PSI wurde 1892 in Genua gegründet. Bis 1893 hieß sie Partito dei Lavoratori/Arbeiterpatei. Seine Partei war nicht immer glücklich mit ihm, weil er die Arroganz der Funktionäre kritisierte, und weniger von der Revolution, als von Reformen schwärmte. Wegen seiner Redegewandtheit und seiner Beleibtheit  bei den Arbeitern, ließ man ihn aber gewähren. Er wurde mehrfach als Abgeordneter für die Region Ferrara in die Camera die duputati (Abgeordnetenkammer) gewählt (1919, 1921, 1924).

Als sich 1922 ein Teil der Parteimitglieder abspaltete und die PSU (Partito Socialista Unitario / „Sozialistische Einheitspartei“) gründete, wurde er dort Generalsekretär.

Die Faschisten unter Mussolini versuchten in den 1920er Jahren, an die Macht zu kommen. 1922 veranstalteten sie den Marsch auf Rom und prompt wurde Mussolini von König Viktor Emanuel III zum Ministerpräsidenten ernannt. Mussolini verfügte aber zu der Zeit aber über keine eigene Mehrheit und musste Koalitionen eingehen. Um sich Mehrheiten zu sichern, wurde mit dem Acerbo-Gesetz (benannt nach dem Abgeordneten Giacomo Acerbo) das Verhältniswahlrecht eingeführt.

Tatsächlich gewannen die Faschisten 2024 die Wahl.

Am April 2024 fuhr unser Mann sogar nach Brüssel, Paris und London um Hilfe gegen die Faschisten zu erlangen. In London z.B. traf er Vertreter der Labour Party. Konkretes kam dabei allerdings nicht heraus.

Am 30. Mai 1924 hielt unser Mann eine flammende Rede im Parlament, in der er die Wahlen für ungültig erklärte und auch Mussolini selbst für Wahlfälschungen verantwortlich machte.

Am 10. Juni entführten ihn sechs Squadristi  (kurz für „Squadre d’azione„/“Aktionskommandos“ später umbenannt in Schwarzhemden) und ermordeten ihn.

Diese Tat ließ die Stimmung in der Bevölkerung kippen. Man war sich sicher, dass die Faschisten hinter dem Mord steckten. Tatsächlich übernahm Mussolini Anfang 1925 die Verantwortung für den Mord.

Es entstand die Hoffnung, dass der Faschismus doch noch zu stoppen war.

Nun passierten zweierlei Dinge: zum einen konnte sich die Opposition nicht dazu durchringen, deutlich gegen die Faschisten vorzugehen. Man hoffte auf die Mechanismen der Demokratie, dass Mussolino zurücktreten würde und er und die Mörder vor Gericht gestellt würden. Bei den Mördern war es tatsächlich der Fall, drei von Ihnen wurden allerdings kurz danach von König Viktor Emanuel III begnadigt. Erst nach dem Krieg wurden in einem neuen Verfahren die noch lebenden Mörder zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt.

Damit blieb die Opposition wirkungslos.

Zum anderen ließ Mussolini endgültig die Maske fallen und baute sein Unterdrückungs-Regime aus.

Die Chance, den Faschismus noch aufzuhalten, war vertan.

Tatsächlich ist wohl noch immer nicht genau geklärt, warum unser Mann ermordet wurde und ob Mussolini selbst den Mord beauftragt hat.

Unser Mann wird als furchtloser Kämpfer gegen den Faschismus verehrt. Entsprechend finden sich in vielen Städten Plätze und Straßen mit seinem Namen.


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