Wer schon immer einmal die Marken kennenlernen oder dort den Apennin und das Meer sehen wollte, aber noch einen Grund braucht: Urbino!
Die Stadt liegt auf einem langgezogenen Hügelrücken, der von bewegten Landschaften aus Feldern, Weinbergen und Olivenhainen umgeben ist. Schon aus der Ferne erkennt man ihre charakteristische Silhouette.

Die Lage verleiht Urbino eine besondere Atmosphäre. Die Straßen steigen steil an, oft gepflastert mit großen Steinen, und öffnen sich unvermittelt zu kleinen Plätzen, von denen sich weite Blicke über die Hügel der Marken ergeben. Die Stadt wirkt fast wie eine Bühne der Renaissance – tatsächlich hat sich das historische Zentrum seit dem 15. und 16. Jahrhundert kaum verändert und ist deshalb auch UNESCO Kulturerbe. Diese Geschlossenheit des Stadtbildes macht Urbino zu einem einzigartigen Beispiel einer Renaissance-Stadtplanung. Und Urbino ist lebendig und lebenswert!
Bereits die Römer hatten hier eine Siedlung, doch die eigentliche Bedeutung gewann die Stadt erst im Mittelalter. Über Jahrhunderte stand Urbino unter der Herrschaft der Familie Montefeltro, die aus militärischen Führern (Condottieri) hervorging.

Der entscheidende Wendepunkt kam im 15. Jahrhundert mit Federico da Montefeltro, der 1444 die Macht übernahm. Federico war zugleich Krieger, Diplomat – und kunstinnig. Er verstand es, die Einkünfte aus seinen militärischen Diensten für europäische Fürstenhäuser in eine ambitionierte kulturelle Politik zu investieren. Sein Ziel war es, Urbino in eine ideale Renaissance-Stadt zu verwandeln.

Unter seiner Herrschaft entstanden neue Paläste, Kirchen und Plätze. Künstler, Architekten und Gelehrte aus ganz Italien kamen an seinen Hof. Urbino wurde zu einem der bedeutendsten kulturellen Zentren der Renaissance. Nicht umsonst hat Baldassare Castiglione, in Urbino geboren, sein berühmtes Werk Il Cortegiano (der Hofmann) hier geschrieben, während er am Hof in Diensten stand. Nach dem Aussterben der Montefeltro fiel Urbino im 16. Jahrhundert an die Familie della Rovere und später an den Kirchenstaat. Mit der Verlagerung politischer Macht verlor die Stadt an Bedeutung, blieb aber dank ihrer abgeschiedenen Lage erstaunlich unverändert – ein Glücksfall für heutige Besucher.

Der Palazzo Ducale – Herz der Renaissance
Der Palazzo Ducale ist das berühmteste Bauwerk Urbinos und gilt als eines der bedeutendsten Beispiele der italienischen Renaissancearchitektur. Er entstand ab der Mitte des 15. Jahrhunderts auf Initiative von Federico da Montefeltro und sollte nicht nur eine Residenz, sondern das Symbol eines idealen Fürstenhofes sein. Der Bau entwickelte sich Schritt für Schritt zu einer komplexen Anlage.
Besonders berühmt ist die Westfassade mit ihren beiden schlanken Türmen, den sogenannten Torricini. Zwischen ihnen öffnet sich eine Loggia – ein architektonischer Höhepunkt der Renaissance.
Im Inneren führt eine monumentale Treppe in den Cortile d’Onore, einen eleganten Innenhof mit Arkaden und korinthischen Säulen, der als einer der schönsten Renaissancehöfe Italiens gilt.

Heute beherbergt der Palast die Galleria Nazionale delle Marche, eine der schönsten Sammlungen italienischer Renaissancekunst.
Hier hängt z.B. eines der rätselhaftesten Werke von Piero della Francesca, die Geißelung Christi.
Zu den bedeutendsten Gemälden des Museums gehört „Die Geißelung Christi“ von Piero della Francesca. Dieses Werk aus der Mitte des 15. Jahrhunderts ist ein Meisterstück der Renaissance-Malerei.
Das Bild zeigt zwei scheinbar getrennte Szenen, links im Hintergrund die Geißelung Christi in einem klassisch gestalteten Raum, rechts im Vordergrund drei Männer auf einem offenen Platz. Die Komposition ist streng geometrisch aufgebaut. Die Bedeutung der drei Figuren im Vordergrund wird bis heute diskutiert. Manche Kunsthistoriker sehen darin politische Anspielungen auf Ereignisse im Italien des 15. Jahrhunderts, ein Autor (Bernd Roeck) sogar die Anschuldigung des Mordes gegen Frederico di Montefeltro.

Der Palazzo Ducale beherbergt viele weitere bedeutende Werke der Renaissance:
- Raffael – frühe Werke des großen Malers, der in Urbino geboren wurde
- Paolo Uccello
- Tizian
- Melozzo da Forlì
Ein besonders faszinierender Raum ist das Studiolo des Federico da Montefeltro. Dieser kleine Arbeitsraum ist mit kunstvollen Holzintarsien geschmückt. Die Bilder zeigen scheinbar geöffnete Schränke mit Büchern, Instrumenten, Waffen und wissenschaftlichen Geräten – ein illusionistisches Spiel aus Perspektive und Symbolik. Sie spiegeln die Interessen eines Renaissancefürsten: Wissenschaft, Kriegskunst, Musik und Philosophie.

Neben dem Herzogspalast lohnt sich ein Spaziergang durch die Altstadt:
Geburtshaus Raffaels – das Wohnhaus der Familie Santi, heute ein Museum.
Dom Santa Maria Assunta – klassizistischer Dom aus dem frühen 19. Jahrhundert, an der Piazza Duca Federico.
Kirche San Domenico – Renaissanceportal mit Figuren von Luca della Robbia.

Die Küche Urbinos ist typisch für die Region Marken: rustikal, herzhaft und stark von der Landwirtschaft geprägt.
Typische Gerichte sind:
- Crescia sfogliata – eine Art dünnes Fladenbrot, oft mit Käse und Schinken serviert
- Passatelli – Nudeln aus Semmelbröseln, Ei und Parmesan in Brühe
- Tagliatelle al tartufo – Pasta mit Trüffeln aus den umliegenden Hügeln
- Casciotta d’Urbino – ein milder Schaf- und Kuhmilchkäse
Zum Essen wird häufig ein regionaler Wein aus den Marken gereicht, etwa Verdicchio oder Rosso Conero.
Cafés, Restaurants und Hotels – praktische Tipps
Hotels
Wer die kleine Anfahrt in die Stadt nicht scheut: es gibt ein wunderbares Bed&Breakfast: Il Casale del Duca Urbino: mit nur 5 Zimmern und einer wunderbaren Wiese hinter dem Haus mit Blick auf Urbino. geleitet von einem reizenden jungen Ehepaar.
Cafés
Die meisten liegen rund um die Piazza della Repubblica oder auf dem Weg hinauf zum Palazzo Ducale. Obwohl es grundsätzlich nur wenige Touristen in Urbino gibt, findet man diese am ehesten hier. Der Vorteil ist, dass man beim Kaffee das Treiben auf dem Platz beobachten kann.
Etwas abseits liegt das Caffè dell’Accademia, Piano del Monte 2, mit schönen Außenplätzen.
Restaurants mit regionaler Küche
Sehr empfehlenswert – und mit einem schattigen Innenhof ist das Restaurant Castello in der Via del Poggio 1.
Weitere sind:
- La Trattoria del Leone
- Antica Osteria da La Stella
- Il Cortegiano
- Portanova Ristorante