Bologna - Die Rote, die Gelehrte, die Fette

Bologna kennt man vom Vorbeifahren auf dem Weg nach Florenz. Tatsächlich lohnt sich ein Aufenthalt sehr. Bologna – Stadt der vielen Namen: „la Rossa“ wegen ihrer roten Backsteindächer und -fassaden und wegen der politisch linken Geschichte, „la Dotta“ (die Gelehrte) dank der ältesten Universität Europas, und „la Grassa“ (die Fette), weil sie kulinarisch zu den besten Regionen Italiens gehört.

Bologna ist mehr als nur ein Zwischenstopp zwischen Florenz und Mailand – es ist eine spannende und lebendige Stadt mit geschichtsträchtigen Plätzen, herzlichen Menschen, exzellenter Küche, einem pulsierenden Studentenleben und einem unverwechselbaren architektonischen Charme. Und all das ohne den Massentourismus.

Die Stadt hat etruskische Ursprünge, erste Siedlungen gabs um 500 v. Chr., ab 189 war die Stadt römische Kolonie („Bononia“). Ein Blüte gabs im Hochmittelalter durch die Universität und durch aufstrebenden Handel. Später gehörte Bologna zum Kirchenstaat. 1860 wurde Bologna Teil des Königreichs Italien. Im 20. Jh. war Bologna ein Zentrum des Widerstands gegen den Faschismus und wird bis heute als eine der „linkesten“ Städte Italiens wahrgenommen.

Neptunbrunnen

Piazza Maggiore

Wo starten? An der Piazza Maggiore, dem Herzstück der Altstadt. Tagsüber bevölkert von Schulklassen, Musiker:innen und Sonnenanbeter:innen, nachts ein Treffpunkt für Jung & Alt. Hier stehen:

  • die Basilica di San Petronio – innen mit dem weltweit größten Meridian (Sonnenlinie)
  • der Neptunbrunnen (Fontana del Nettuno) – ein barockes Meisterwerk
  • Palazzo d’Accursio: Sitz der Stadtverwaltung, heute auch mit einem Stadtmuseum, mit schönem Innenhof (an der Westseite)
  • Palazzo dei Banchi (an der Nordostecke), Palazzo del Podestà (gegenüber der Kirche) und Palazzo Re Enzo (Richtung Via Rizzoli): Prächtige mittelalterliche Bauwerke mit Verbindungsgängen, Loggien und historischen Hallen.

Archäologisch Interessierte schauen sich noch die Biblioteca Salaborsa an – ein beeindruckender Bibliotheksraum mit archäologischen Ausgrabungen unter dem Glasboden.

Wenn wir alles angesehen haben geht’s gegenüber der Kirche an der Touristeninformation durch das Gebäude durch, Richtung Via Rizzoli. Der letzte Stück des Durchgangs führt durch den Torre Lambertini, ein Turmhaus, das 1294 von der Gemeinde Bologna gekauft wurde, die ihr Gebiet, das aus dem palatium vetus (Palazzo del Podestà) und dem palatium novum (Palazzo Re Enzo) bestand, erweitern wollte.

Die Familie Lambertini spielte eine wichtige Rolle im Konflikt um die Kontrolle der Stadt zwischen Guelfen und Ghibellinen. Sie (den Welfen zugehörig) trug dazu bei, die Familie Lambertazzi (Ghibellinen) im Jahr 1274 nach 40 Tagen Kampf zu vertreiben.

Due Torri Bologna

Due Torri

Die Via Rizzoli gehen wir rechts und kommen zu den Wahrzeichen von Bologna, den Türmen Asinelle und Garsenda. Einst ragten über 100 Türme über die Stadt (die Adeligen wollten angeben) – heute sind die „Due Torri“ die letzten Zeugen mittelalterlichen Ehrgeizes. Der 97 m hohe Asinelli-Turm kann erklommen werden (498 Stufen!), die Aussicht ist spektakulär.

Studenten glauben, wer den Turm vor dem Abschluss besteigt, besteht die Prüfungen nicht – ein Aberglaube, der den Turm oft erstaunlich leer hält.

Wer noch etwas weiter laufen möchte: die Strada Maggiore Richtung Südwesten entlang kommt man am Palazzo della Mercanzia vorbei. Der Palast wurde im 14. Jahrhundert als Sitz des Handelsgerichts gebaut. Schon damals gabs Transparenz, die Urteile des Gerichts wurden vom Balkon verkündet.

Dann geht’s rechts in den Corte Isolani, wo nach wenigen Metern ein schöner (gleichnamiger) Innenhof zu sehen ist.

Ein Stück weiter kommt der Kirchenkomplex Santo Stefano, auch Sette Chiese genannt (Sieben Kirchen, man weiß also, was einen erwartet). Ursprung war die Santi Vitale ed Agricola aus dem 4. Jahrhundert. Die Kirche wurde später erweitert und im 12. Jahrhundert fertig gestellt.

Statt 7 gibt es tatsächlich nur 4 Kirchen, zusätzlich noch San Sepolcro (Vorgängerbau aus dem 5. Jahrhundert, heutiger Bau aus dem 11. Jahrhundert), San Trinita und die Chiesa del Crocifisso (ursprünglich aus dem 8. Jahrhundert).

Quadrilatero

Quadrilatero und alte Universität

Jetzt wäre ein zielloser Bummel und vielleicht ein Cafèbesuch angebracht? Dafür sind wir fast genau richtig. Im Rechteck zwischen Via Rizzoli, Via Castiglione, Via Farini und der Basilika San Petronio befindet sich das Quadrilatero. Bäckereien und Feinkostgeschäfte machen das Viertel zu einem Freilichtmuseum des guten Geschmacks. In der Via Farini gibt es auch schon sehr schöne Portici. Insgesamt gibt es mehr als 40km Arkaden. Gut bei Regen und auch bei Sommerhitze. Seit 2021 gehören sie zum UNESCO-Welterbe.

Für eine Espresso-Pause bieten sich Caffè Zanarini (Piazza Galvani 1, gehoben) oder Caffè Aroma (Via Porta Nuova 12b, alternativ) an.

Wer der ältesten Universität Europas (1088 gegründet) die Referenz erweisen möchte, geht zum Archiginnasio und zum Anatomischen Theater (nicht weit von der Via Farini Richtung San Petronio). Das war der erste Hauptsitz der Universität. Prunkvoller Lesesaal, Wandmalereien mit Wappen ehemaliger Studenten, und ein hölzernes Anatomie-Theater, in dem einst Sezierungen vor Publikum stattfanden.

Etwas südlich lohnt sich ein Besuch der Piazza Cavour und der Kirche San Domenico. Die Kirche enthält das Grab des heiligen Dominikus, reich verziert von Meistern wie Nicola Pisano und Michelangelo.

Durch ein kleines Fenster entdeckt man den Canale delle Moline – ein Blick ins „kleine Venedig“.

Teatro Arena del Sole
Palazzo della Mercanzia
Piazza Santo Stefano
Portici Bologna

Nördlich des Stadtkerns

Nördlich gibt es eine Kuriosität: das Finestrella di Via Piella, hier kann man auf einen Kanal schauen (Via Piella 16).

Kunstinteressierte werden die Pinacoteca Nazionale besuchen (Via delle Belle Arti 56). Hier warten bedeutende Gemälde von der Renaissance bis zum Barock (Raphael, Tinoretto, Tizian…). Außerdem gibt es Sonderausstellungen.

Nördlich liegt auch der Parco della Montagnola, ein Historischer Park mit Monumentaltreppen und Brunnen – samstags sehr belebt, wegen des Markts davor.

Santuario della Madonna di San Luca

Zum Schluss zwei spektakuläre Aussichtspunkte?

  • San Michele in Bosco, im Süden der Stadt. Von der Via Farini fährt ein Bus, zu Fuß ist es eine halbe Stunde.
  • Santuario della Madonna di San Luca. Wer sportlich ist, geht den Portico di San Luca zu Fuß (4 km, 666 Bögen!) hoch. Ein wirkliches Erlebnis.

Die Anfahrt ist nicht ganz einfach. Von der Piazza Maggiore fährt ein Bähnchen (26 EUR hin und zurück).

Von der Piazza San Francesco fährt ein Bus zur Villa Spada, von dort der Bus 58 bis zum Santuario

    Canale del Molino
    San Domenico
    Santo Stefano

    Shopping und Kulinarik – Von Feinkost bis High Fashion

    Feinkost, Aperitivo, Eis

    • Mercato di Mezzo & Mercato delle Erbe: Frische Pasta, Käse, Trüffel, Wein – alles, was das Herz begehrt.
    • Wer auf dem Rückweg noch kulinarische Andenken mitnehmen möchte, oder einfach nur staunen: Eataly. Etwas außerhalb der Stadt (Via degli Orefici 19). Ein riesiger Supermarkt, jede Menge Food Courts. Ein Erlebnis für sich.
    • Aperitivo in der Via del Pratello (jung, alternativ) oder Via D’Azeglio (gehobener)
    • Gelato bei Cremeria Santo Stefano, Cremeria Funivia
    • Trattoria-Empfehlungen: Trattoria Meloncello, Osteria dell’Orsa, Osteria Broccaindosso

    Mode & Design

    • Via dell’Indipendenza: Große Marken, Einkaufszentren und Cafés.
    • Galleria Cavour: Luxuslabels von Gucci bis Armani.
    • Via San Felice / Via Castiglione: Vintage-Shops, Buchhandlungen, Handgemachtes – ideal für Individualisten.

    Bologna kulinarisch entdecken

    Bologna ist kein Ort für Diäten – und das ist auch gut so. Die Stadt ist das Zentrum der cucina emiliana, eine der beliebtesten Regionalküchen Italiens.

    Klassiker

    • Tagliatelle al Ragù: DAS Original – nichts mit „Spaghetti Bolognese“, bitte!
    • Tortellini in Brodo: Kleine Teigtaschen, oft mit Fleisch gefüllt, in einer klaren Brühe. Die Form der Tortellini soll angeblich dem Bauchnabel der Göttin Venus nachempfunden sein.
    • Lasagne alla Bolognese: Mit hausgemachter Pasta, Ragù und Bechamel.
    • Mortadella: Luftig-leichte Wurst, oft in Würfeln oder als Belag für „Crescentine“.
    • Tigelle & Crescentine: Fladenbrot, das mit Käse, Wurst oder Pesto Modenese gefüllt wird.

    Weinempfehlung: Lambrusco (leicht prickelnd), Pignoletto (weiß) oder Sangiovese (rot).

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